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1923/24: Ein Geteiltes Dorf für 18 Monate

1923 jährt es sich zum 100. Mal, dass hier in der Bahnhofskurve von Ortenberg eine Grenze verlief. Etwas mehr als vierJahre nach dem Ende des ersten Weltkrieges und nicht durch den Versailler Vertrag legitimiert, besetzten französische und belgische Militär-Einheiten das Ruhrgebiet, da Deutschland die im Versailler Vertrag festgelegten Reparationen nicht bezahlen konnte. Dabei wurde unter anderem die Kohleproduktion unter strenge Kontrolle gestellt, um diese als die festgeschriebenen Reparationen zu beanspruchen.

Diese „Ruhrbesetzung“ und die sich anschließende, als „Ruhrkampf“ bezeichnete Widerstandsbewegung, hat Eingang in die Geschichtsbücher gefunden. Deutschlandweit mehr oder weniger unbeachtet geblieben und fast in Vergessenheit geraten ist aber die Tatsache, dass der französisch besetzte „Brückenkopf Kehl“, fast zeitgleich mit der Besetzung des Ruhrgebiets, auf weitere Ortenauer Gemeinden und am 20. April 1923 auch auf Teile von Ortenberg ausgedehnt wurde. Seit der Zeit um 1800 war Ortenberg damit erstmals wieder von fremden Truppen besetzt. Die Besetzung dauerte vom 20. April 1923 bis zum 18. August 1924.

Für 16 Monate verlief die „Grenze“ zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet durch Ortenberg. In der strategisch bedeutenden Bahnhofskurve patrouillierten französische Soldaten vor einem blau-weiß-rot gestrichenen Schilderhäuschen. Ein in der Nacht beleuchteter Schlagbaum und zwei in Stellung gebrachte Maschinengewehre verhinderten einen unkontrollierten Durchgang.

Die Besatzungs-Soldaten waren in der Bahnhofswirtschaft untergebracht. Dort befand sich auch die Kommandostelle. Dieser „Grenzposten“ war damit der südlichste Punkt der von den Alliierten besetzten Gebiete in Deutschland.