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Nachruf für Herrn Altbürgermeister und Ehrenbürger Hermann Litterst

Am heutigen Freitag, 15. Juli 2022 müssen wir Herrn Altbürgermeister und Ehrenbürger Hermann Litterst zu Grabe tragen. Er ist völlig unerwartet am vergangenen Mittwoch, dem 6. Juli 2022 verstorben.

Hermann Litterst war 39 Jahre – von 1969 bis 2008 – Bürgermeister unserer Heimatgemeinde.

In dieser Zeit und auch darüber hinaus meinte, wer Ortenberg sagte auch Hermann Litterst, so Landrat Scherer bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Verstorbenen im Jahr 2012.

Hermann Litterst hat mehr als 1.000 Gemeinderatssitzungen geleitet, in denen er zusammen mit den Damen und Herren des Gemeinderates aus acht Gemeinderats-Amtszeiten die Weichen stellte, für eine prosperierende und überaus lebenswerte Gemeinde.

Er hat dabei unglaublich viel Kraft und Energie für die Menschen hier in Ortenberg investiert und eine Spanne an Entwicklungen mit geprägt wie niemand anderer. Exemplarisch seien erwähnt der Bau der Ortskanalisation, Erneuerung des Wasserleitungsnetzes, neue Tiefbrunnen, Hochbehälter und Aufbereitungsanlage, Sanierung und Komplettumbau der Schulgebäude, Neubau der Sporthalle und Umgestaltung des Hallenkomplexes zur Schlossberghalle, Neubau des Rat- und Feuerwehhauses und Neubau des Fußball-Hartplatzes, die Schlossrenovierung, die Herausgabe von fünf ortshistorischen Chronikbänden und Dorfverschönerungs-Wettbewerbe mit Gewinn der Bundes-Goldmedaille.

Ein ganz besonderes Anliegen war Hermann Litterst die Intensivierung der Partnerschaft zur Elsässischen Gemeinde Stotzheim, wo er ebenfalls die Ehrenbürgerwürde inne hatte. Zusammen mit seinem Amtskollegen Rene Weisgerber, ebenfalls Ortenberger Ehrenbürger lebte er nach dem Leitmotiv. Dass „jeder Stotzheimer sich ein bisschen in Ortenberg und jeder Ortenberger ein bisschen in Stotzheim zu Hause fühlen soll“. Auch der Aufbau und die Pflege zur Namensvetterin, der oberhessischen Kleinstadt Ortenberg war ihm immer eine Herzensangelegenheit.

So sehr er stets ein Verfechter der kommunalen Selbständigkeit war, setzte Hermann Litterst immer auch auf jegliche Form der interkommunalen Zusammenarbeit. Als Kreisverbandsvorsitzender und Präsidiumsmitglied im Landesvorstand des Gemeindetags Baden-Württemberg über 34 Jahre war er stets leidenschaftlicher Kämpfer für die kommunale Selbstverwaltung und die Belange kleiner Gemeinden – natürlich hier bei uns in Ortenberg aber auch in der Verwaltungsgemeinschaft, im Ortenaukreis, in Südbaden und für die weiteren mehr als 1.000 Gemeinden im ganzen Land.


Aber auch der Schulverband mit Ohlsbach, der Abwasserzweckverband, der Wasserversorgungs-Zweckverband mit Ohlsbach, die vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Offenburg, wo sich Hermann Litterst stets Verfechter der Interessen der kleineren Mitgliedsgemeinden auszeichnete oder der Zweckverband für das interkommunale Gewerbegebiet Hoch 3 sind alle unter maßgeblicher Mitwirkung des Verstorbenen entstanden. Aber auch das „eigene“ Gewerbegebiet im Allmendgrün entstand und ist wesentliche Grundlage für die wirtschaftliche Fortentwicklung Ortenbergs und unserer Handwerks- und Gewerbebetriebe.

Besonders auch die Zusammenarbeit und Intensivierung der Beziehungen mit und zur Stadt Offenburg war für ihn sehr wichtig. Hier konnte gemeinsam durch kollegiales Miteinander und ein auf gegenseitiges Vertrauen basierendes Einvernehmen mit den dortigen Entscheidungsträgern viel für beide Beteiligten erreicht werden und ein Sich-Begegnen auf Augenhöhe wurde mit der Zeit selbstverständlich. Dies fand nicht zuletzt seinen Niederschlag in der Zusammenarbeit in den erwähnten Zweckverbänden und Organisationen, sondern auch in etlichen Projekten und bei der Bewältigung unzähliger Herausforderungen im Tagesgeschäft.

Mit der 2017 fertig gestellten, schon jahrzehntelang diskutierten und verfolgten Teil-Orts-Umfahrung hat Hermann Litterst mitgewirkt, die Voraussetzungen für eine umfassende Ortskernerneuerung im Zuge der Ortsdurchfahrt zu schaffen.

Nicht zuletzt und nachhaltend trug das große Dorfjubiläum im Jahr 1998 zur Stärkung und Festigung der Identifikation der hier beheimateten Menschen bei. Auch das war Hermann Litterst ein großes Anliegen.

Wenn damit nur einige besondere markante und herausragende Maßnahmen aufgezählt sind, dann soll dies nur die vielen Hundert nicht erwähnten, aber nicht weniger wichtigen Maßnahmen in der Weise unterstreichen, als dass der ganze Zwischenraum zwischen diesen „Leuchttürmen“ bis oben hin gefüllt war. Über 39 Jahre, an mehr als 14.ooo Tagen. gefüllt mit Alltagsarbeit, die „den Laden am Laufen hielt“ und die abseits dieser großen Kapitel jeden einzelnen Tag zu einer Herausforderung machten.

Dies alles war geprägt von einem außergewöhnlichen und bemerkenswerten Selbstverständnis zur Pflichterfüllung. Hermann Litterst machte seinen Beruf zu 100% zu dessen Lebensinhalt. Zum Wohl unserer Gemeinde, zum Wohl der ganzen Einwohnerschaft, zum Wohl eines jeden Einzelnen in Ortenberg. In den letzten 53 Jahren, hier und heute und in Zukunft.

Eines jedoch macht Hermann Litterst für Ortenberg dauerhaft und auf ewig unsterblich. Denn der Erhalt der kommunalen Selbständigkeit vor 50 Jahren ist untrennbar und dauerhaft mit diesem Namen verbunden. Er hat es nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt verstanden, die Empfindungen, Auffassungen und Kräfte hier in Ortenberg zu bündeln, zu einer gefestigten und kraftvollen öffentlichen Haltung zu vereinen sowie dies nach außen zu kommunizieren und an den richtigen Stellen wirkungsvoll zu platzieren.

Nach nunmehr fünf Jahrzenten sind wir heute mehr denn je davon überzeugt, dass dies uneingeschränkt richtig war. Aus Anlass seines 80. Geburtstags am 7. November 2020 hat der Gemeinderat eine „Denkschrift für Hermann Litterst“ als Dokumentation über die Geschehnisse vor 50 Jahren in Auftrag gegeben. Hermann Litterst hat daran noch mitgewirkt, die Fertigstellung ist zum 50. Jahrestages des endgültigen Gesetzesbeschlusses im Sommer 2024 geplant.

Leider wird er das fertige Werk nicht mehr empfangen können.

Wir alle, die wir heute von Hermann Litterst Abschied nehmen, sagen ihm aus tiefstem Herzen ganz schlicht: Vergelt’s Gott für alles lieber Altbürgermeister und Ehrenbürger Hermann Litterst!

15. Juli 2022

Markus Vollmer

Bürgermeister

Die Vernissage wird noch bis zum 28. August 2022 verlängert.

Hier können Sie sich das Video der Vernissage ansehen  Ausstellung Ekkehard Gauch

Bilder: Gustav Herp, Achim Bartelt, Roger Lindner, Peter Kirchner u. a.